Dach

Die kurze Storchenbrutperiode 2013

Viele gefiederte Sommergäste sind diesen „Frühling“ (wenn man dem überhaupt so sagen durfte) sehr früh bei uns eingetroffen. So konnten schon im März über dem Rhein grössere Ansammlungen von Rauchschwalben und Mauerseglern (letztere treffen in andern Jahren erst gegen Ende April bei uns ein) beobachtet werden. Zum Teil waren es sehr wahrscheinlich auch Durchzieher. Auch (vermutlich) „unser“ Storchenpaar ist ein paar Tage früher als sonst, bereits am 22. Februar, bei leichtem Schneefall, auf den Storchennestturm zurückgekehrt. Im Städtchen herrschte Freude über die Rückkehr der Stelzvögel, obwohl, wie eben erwähnt, nicht so richtig Frühlingsstimmung aufkam.

Segler wie Schwalben blieben schon in den nasskalten April- und Mai-Wochen oft merere Tage verschwunden. Anfang Mai konnten von guter Position aus mit dem Fernrohr auf dem Storchennestturm-Horst 2 Jungstörche beobachtet werden. Während mehrerer Beobachtungen konnte die rasche Entwicklung der beiden mitverfolgt werden, und gegen Ende Mai wurde auch bereits der Beringungstermin Mitte Juni fixiert. Doch die starken Niederschläge und die kühle Witterung der letzten Maitage setzte den Jungstörchen, wie auch andern Fleischfressern (insbesondere Insektenfressern) wegen des Nahrungsmangels stark zu. Ueberdies verfügen Störche nicht wie Schwimmvögel über den hohen Fettgehalt im Gefieder und so stehen sie bei Dauerregen triefend im Horst, gehen weniger auf Futtersuche oder kommen mit einem nasskalten Gefieder auf den Horst zurück, wo sie die Jungen hudern sollten. Dass dies mit dem durchnässten, kalten Gefieder nicht möglich ist, scheint logisch. Rasch erkälten sich daher die Jungstörche und gehen oft an Lungenentzündungen ein. So müssen um den Monatswechsel Mai/Juni die beiden Jungen auf dem Storchennestturm eingegangen sein. Der Natur- und Vogelschutzverein (NVVR) hatte an jenem Samstag vor dem Fricktaler Museum sein Vereinszelt und einen Stand aufgestellt, um die Bevölkerung über Probleme mit und Alternativen zu invasiven Neophyten (fremde Pflanzen, die sich rasch vermehren und die einheimische Flora verdrängen und Schäden an Fauna, Objekten, Strassen usw. aber auch am Menschen direkt [Verbrennungen], anrichten können,) zu informieren. Schon während der Standaktion schauten wir immer wieder mit grosser Sorge zum Horst hoch, wo die Altvögel abwechslungsweise hätten Nahrung herbeischaffen und damit die Jungen füttern sollen. Gegen Abend war bald einmal klar, was passiert war, denn die Altvögel standen beide auf dem Horst und stocherten mit ihren Schnäbeln dort herum wo Tage vorher noch die Jungen um Futter gebettelt hatten. Der Anblick der toten Jungstörche mit ihren Eltern daneben stimmte einen traurig.

Danach hoffte man wenigstens noch auf das Junge, welches im Horst auf einem Bohrturm im „Grossgrüt“, den der NVVR vor drei Jahren angebracht hat, rund zwei Wochen später als die Jungen auf dem Kupferturm geschlüpft war. Doch auch dieses Junge konnte der Härte der Natur nicht trotzen und ging in der Folgewoche ein.

Freude bereitete uns hingegen der Storchennachwuchs auf dem „Torturm“ des Beuggener Schlosses. Dort hat der NVVR im Jahre 2007 unserer Zwillingsstadt auf einem Gestell, welches schon mehrere Jahre leer gestanden hatte, einen Horst eingelegt. Seit 2009 sind dort regelmässig Bruten zu verzeichnen. In diesem Jahr sind gar drei Junge geschlüpft, die Mitte Juni zusammen mit einem Storchenspezialisten der Vogelwarte Radolfzell beringt werden konnten. Vielleicht waren dort die Nahrungsbedingungen auf den unmittelbar angrenzenden, nicht so intensiv bewirtschafteten Wiesen besser?

Bedeutet das Verschwinden der letzten Grünflächen in und um Rheinfelden das Aus für die Rheinfelder Weissstörche? Nun, die Natur ist brutal, was sich in diesem Jahr durch das Sterben von rund drei Vierteln der Jungstörche in der Nordwestschweiz wieder gezeigt hat. Doch dürfen wir den Kopf deswegen nicht hängen lassen und auf bessere Jahre hoffen. Seit ca. Mitte Juni hat „unser“ Storchenpaar nach den beiden Misserfolgen von 2007 und 2013 auf einer abgesägten Birke an der Salinenstrasse, neben dem Altersheim Lindenstrasse, ohne fremde Hilfe einen neuen Horst gebaut. Vielleicht hat sich das Storchenpaar (es hat laut Auskünften von Nachbarn vom Storchennestturm einiges an Nistmaterial abgetragen) nach einer durchlässigeren Nestunterlage umgesehen. Diese Nisttätigkeit lässt aber grosse Hoffnung keimen, dass im nächsten Jahr in Rheinfelden wieder Jungstörche aufgezogen werden. Da aber immer mehr Rhein-Felder überbaut, versiegelt, zubetoniert werden, wird die Nahrungssuche für Meister Adebar bei uns immer wie schwieriger und die Storchenküken-Sterblichkeit bei Schlechtwetterperioden dürfte dadurch zunehmen.

Noch bleibt die Hoffnung auf ein besseres Storchenjahr 2014.

Stephan Kaiser – 10.2013